Alles Gute nachträglich!

Seit wenigen Tagen weiß ich endlich mehr über die Vergangenheit meines Autos. Nach über vier Jahren und einigen Versuchen halte ich nun endlich das Ursprungszertifikat von Opel Classic in den Händen.

Als ich 2015 das erste Mal Wind von so einem Zertifikat bekam, wusste ich: Das brauche ich auch! Denn viel ließ sich leider bei der bisherigen “Aktenlage” nicht über meinen Opel herausfinden. Der originale Fahrzeugbrief ist spätestens beim dritten Vorbesitzer abhanden gekommen, wo der Kadett 2006 aus einer Halle in Leipzig geborgen wurde. Mit der Ausstellung des neuen Fahrzeugbriefs stimmten dann nicht einmal mehr die Schlüsselnummern überein und die Erstzulassung wurde “anhand der Einprägung im Schloßträger” auf den 1. Juli 1979 geschätzt.

Von nun an folgten diverse erfolglose Versuche, an das besagte Stück Papier zu kommen. Angefangen mit einer Anfrage beim Opel Kundenservice, der mir mitteilte, ich solle mich doch bitte diesbezüglich bei einem beliebigen Vertragshändler vorstellen. Nun ist mein Opel ja schon geringfügig älter, als die Gewährleistungsfrist verstrichen ist. Und wer damit schon mal in einem nicht-westdeutschen Opel-Autohaus aufgekreuzt ist, der weiß, dass man dort nichts anderes als fragende Blicke ernten würde. So war es dann auch. Spätestens als das dritte Autohaus auch nur Bahnhof verstand, habe ich diesen Weg aufgegeben und versucht, Opel Classic selbst zu kontaktieren. Doch das sollte vorerst genauso erfolglos enden.

Obwohl im Netz ein paar E-Mail-Adressen kursieren, bekam man auf seine ausführliche und nett formulierte Anfrage (inklusive Briefkopie des Fahrzeugs als Eigentumsnachweis) entweder keine Antwort oder die E-Mail konnte gar nicht erst zugestellt werden, weil das jeweilige E-Mail-Postfach nicht mehr exisitierte. Schließlich habe ich auch das irgendwann entnervt aufgegeben und mich nicht mehr weiter damit beschäftigt. Bis zum März diesen Jahres, als ich in Sven’s Kadett-C-Forum eine erneute Diskussion darüber verfolgt habe.

Und dort hat dann schließlich Dino Schmitz, seines Zeichens Typreferent für Kadett-C bei der Alt-Opel IG, den entscheidenden Hinweis gegeben. Und so kam es, dass ich über einen kleinen Umweg auf meine nun vierte E-Mail an Opel Classic tatsächlich einmal eine Antwort bekommen habe.

Nach wenigen Tagen für die Recherche lag dann tatsächlich und endlich mein eigenes Opel-Zertifikat im Briefkasten. Für Opel-Verhältnisse fast schon edel, auf dickem DIN-A4-Papier gedruckt und vom Leiter Opel Classic, Uwe Mertin, persönlich unterschrieben. Hinten dran hing dann natürlich auch eine Rechnung über 100 Euro (die allerdings für Mitglieder der Alt Opel IG nur halb so hoch ausfällt). Soviel ich weiß, hat dieses Zertifikat früher mal nur ein Viertel gekostet. Doch das muss jeder für sich selbst wissen, ob einem dieses Blatt Papier so viel wert ist, oder eben nicht. Ich sage mir dann immer: Je älter das Auto wird, desto mehr Geld muss man dafür bereit sein auszugeben ;-P

Das lang ersehnte Opel Classic Zertifikat

Doch nun zum eigentlichen Inhalt dessen, was Opel Classic über meinen Kadetten herausgefunden hat. Nämlich, dass ich seinen 40. Geburtstag im Februar 2019 nun “knapp” verpasst habe. Scheinbar hat er mir die ausgebliebenen Glückwünsche verziehen, denn mein Jubilar springt seitdem immer noch ohne zu Mucken an. Interessant ist jedoch, das zwischen dem Produktionsdatum und der Erstzulassung am 8. Februar 1979 lediglich sechs Tage liegen und das sogar über ein Wochenende. Ob das damals, im Gegensatz zu heute, immer so schnell ging oder vielleicht der kurze Weg vom Werk zum Händler dafür ausschlaggebend war? Gute Frage.

Dass es sich bei meinem Kadett um ein schon relativ seltenes Sondermodell “Winterfest” aus den Wintermonaten 1978/1979 handelt, habe ich schon vor einiger Zeit anhand der Lack- und Polsternummer auf dem Typenschild und der Nummernprägung im Kofferraumboden herausgefunden.

Das originale Typenschild

Die Lacknummer 330 im Feld unten rechts steht für “Kristalltürkis Metallic”. Ein Farbton, der so ausschließlich den Winterfest Coupé- und City-Modellen vorbehalten war (die Winterfest-Limousinen waren dagegen silber). Die 362 in demselben Feld dahinter steht für die Polsterausstattung “Stoff schwarz, Karo-klein”.
Eine Nummer 10 bekamen dagegen alle Rallyes und Aeros mit dem 1,6-l-Vergasermotor in Verbindung mit Schaltgetriebe in den Kofferraumboden gepresst.

Die Nummer 10 im Kofferraumboden.
Mein Kadett im Auslieferungszustand

Wie man anhand der Fotos bei “Über meinen Kadett” unschwer erkennen kann, war bereits vor der Restauration vom ursprünglichen Erscheinungsbild nichts mehr übrig geblieben. Weder von innen, noch von außen, abgesehen von der untersten Lackschicht.

Dagegen ist die für mich größte Offenbarung dieses Zertifikats jedoch, in welcher Ecke der Bundesrepublik mein Kadett überhaupt “aufgewachsen” ist. Nämlich sehr wahrscheinlich im idyllischen Duisburg der frühen Achtziger Jahre. Zumindest hat ihn das damals dort ansässige Autohaus Wehr an der Ruhrorter Straße 92 in Auftrag gegeben und an den Erstbesitzer übergeben.
Selbstverständlich habe ich auch hierzu etwas im Netz recherchiert. Denn wer weiß, vielleicht hätte ich sogar noch den Namen und die Adresse des glücklichen Kunden herausgefunden. Doch leider ist die 1973 gegründete Wehr GmbH & Co. KG schon 1999 Bankrott gegangen. In den Folgejahren wurde das Haus dann von immer wieder anderen Händlern übernommen und musste dann leider im Sommer 2017 entgültig einem neu zu bauenden Lagerhaus Platz machen.

Ruhrorter Straße
Hier ein Foto vom Opel-Autohaus Wehr bzw. das, was davon 2017 noch übrig blieb.
Die Ironie daran ist der Vectra im Bild …

Weil dieses schicke Zertifkat mit seinen 16 Cent pro cm² nicht gerade günstig war, wäre es doch wirklich zu schade, wenn es irgendwo unbeachtet im Schrank verschwindet. Deshalb hat es nun von mir und meiner Liebsten einen passenden Rahmen und einen prominenten Platz in unserem Wohnzimmer erhalten 🙂

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