Biegemomente

Ich habe mich nun endlich einmal den Stoßstangen gewidmet. Als ich den Kadett damals kaufte, waren erst gar keine mehr dran und die Öffnungen zugeschweißt, was leider in den Achtzigern und Neuzigern gängige Praxis war. Nun liegen hier sogar zwei Stoßstangen-Sätze, jeweils mit bzw. ohne aufgesetzter Gummischutzleiste. Wer die Wahl hat, hat die Qual …
Eigentlich haben beide eine Frischekur verdient, doch ich habe mich nun erst einmal den Stoßstangen ohne Gummileiste gewidmet. Leider war es hier mit einer Lackierung allein nicht getan. Weil Sie im Laufe der Jahre schon ordentlich was auf die Mütze bekommen haben, mussten die Teile erst noch von Dellen, Knicken und Stauchungen befreit und begradigt werden. Die vordere Stoßstange war sogar so unförmig, dass sie gar nicht erst über die Kotflügel passte. Die kleinen Unebenheiten konnte ich noch mit einem Schlosserhammer beseitigen. Nur wie bekommt man dieses Konstrukt an den Enden auseinander gebogen?
Dazu habe ich von Schrauberkollegen einige hilfreiche Tipps bekommen (danke an dieser Stelle an Bernd, Birger und Simon). Nämlich indem man die Rundungen mittels Schraubzwingen oder einem größeren Schraubstock zusammendrückt. Oder aber man überstreckt die Spitzen über die gesamte Breite mit einem geeigneten Hydraulikgerät. Je nachdem, was die Werkstatt so hergibt. Ich jedenfalls bin mit der Schraubstock-Variante am weitesten gekommen. Allerdings muss man vorsichtig vorgehen. Einmal zu weit zusammen gedrückt und schon ist’s Essig. Weil das Blech extrem federt, ist das anfangs etwas schwer einzuschätzen.

Nach einer guten Stunde des Drückens und Anpassens war ich mit dem Ergebnis zufrieden und es ging direkt weiter mit Spachteln, Schleifen und Lackieren. Die fertigen Stoßfänger seht ihr dann sehr wahrscheinlich im nächsten Beitrag.

Für die Befestigung dürfen die richtigen Schrauben natürlich nicht fehlen. Auch wenn sie ähnlich aussehen, sind diese leider keine gewöhnlichen Schloßschrauben nach DIN 603: bei M8 haben sie mit 16 Millimetern einen um 4 Millimeter kleineren Kopf als die Norm vorsieht. Kein Problem für eine Drehbank, mit der mir mein treuer Freund Sandro die acht benötigten DIN-Schrauben auf die richtige Kopfgröße abgedreht hat. Für die mattschwarze Pulverbeschichtung der Schraubenköpfe hat anschliessend Matthias gesorgt.

Im Innenraum ging es dann weiter mit Metallbearbeitung, weil einer der beiden Scharnierhalter für das Handschuhfach schlicht und einfach verschwunden war. Da hab wohl selbst ich beim Karosseriebauer etwas gepennt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass das eine Scharnier von Dr. O. einfach mal mitlackiert wurde und für das Zweite nicht einmal mehr ein Halter vorhanden ist. Wie dem auch sei, schweißen will ich da unten nun nicht mehr und Löcher bohren, aufgrund eines möglichen Wassereintritts, genauso wenig. Also habe ich den Halter aus U-Profil nachgebaut und mit 2K-Epoxyd-Knetmasse unter den Batterieboden geklebt. Und ja, es hält, sogar mit Handschuhfach unten dran.

Hinter dem Ortsausgangsschild macht ein Radio meistens wenig Sinn. Wer schon mal so eine Blechbüchse aus den 70ern gefahren ist, weiß, dass spätestens dann eher der Motor und die Auspuffanlage die akkustische Unterhaltung übernehmen. Doch für alle Situationen zwischen Null und 50 km/h hat nun ein neuer 2-Wege-DIN-Lautsprecher seinen knapp bemessenen Platz unter dem Armaturenbrett eingenommen. Das Halteblech war auch wieder so ein Teil, was ich mir mangels Vorhandenseins erst einmal besorgen musste.
Weil in meinem Fall ein originales “Sebring Super” (Mono, mit fast zu vernachlässigender Ausgangsleistung) zum Einsatz kommen wird, reicht hier also ein einzelner günstiger Koax-Lautsprecher völlig aus. Glücklicherweise hat dieser fast dieselben Abmessungen, wie der originale Lautsprecher. Trotzdem passt er nur ganz knapp zwischen Armaturenbrett und Lüftungskanal.

Was natürlich nicht fehlen darf, ist ein neues Erste-Hilfe-Sortiment im alten Gewand. Dafür ist mir durch Zufall ein “Kraftwagen-Verbandkasten A” aus einem ex-Bundeswehr-Fahrzeug in die Hände gefallen. Mit schöner Patina und Siebziger-Jahre-Staub innendrin 🙂

Das war’s für den Moment. Wir lesen uns wieder beim nächsten Mal!

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