Und es war Juli

Nach vier Wochen Stille auf 4R1B will ich euch, wie versprochen, mal wieder auf den aktuellen Stand der Dinge bringen. Ich war natürlich nicht untätig, hab viele Sachen für den Kadetten gekauft, einige wieder verkauft und auch ein bisschen Geld in den Sand gesetzt … Und eigentlich wollte ich ja den Himmel schon längst mal eingeklebt haben. Doch erstens kommt es zweitens anders, und drittens als man viertens denkt …

Seit Ende Juni habe ich nun für meinen “Blinker oben”, heute würde man dazu Facelift sagen, ein paar intakte Fahrtrichtungsanzeiger ergattert. Und weil ich ja immer so wahnsinnig entscheidungsfreudig bin, gab es gleich zwei Paar. Zum einen Originale in orange und zum anderen die weißen Blinker, die ursprünglich nur für die Exportmodelle gedacht waren.
Okay, das mit dem Weiß hat einer der Vorbesitzer bei den Unterteilen irgendwie zu wörtlich genommen, ihr seht es ja selbst auf dem unteren Bild … Aber glücklicherweise ist das nichts, was man nicht mit handelsüblicher DOT4-Bremsflüssigkeit wieder hinbekommt. Also alles schön putzen, Wandweiß runter und neues Dosenschwarz drauf. Fertig.

Die H4-Scheinwerfer haben dagegen ein ganzes Stück mehr Zuneigung nötig: Die Lampentöpfe hatte ich ja im letzten Monat schon geschwärzt, die sind also erledigt. Nun waren also noch die Streuscheiben und später die Reflektoren an der Reihe:
Zu allererst habe ich die Gläser vom Kunststoffrahmen getrennt, bei knapp 100 °C für reichlich fünf Minuten im Backofen 🙂 Der Klebstoff wird dadurch schön weich und der Rahmen lässt sich mühelos vom Glas abziehen. Warum tue ich das eigentlich? Nun, ich mag einfach diese dunkle Scheinwerfer-Optik, wie z.B. bei diesem C-Coupé. Das bedeutet, dass das Innenleben quasi komplett schwarz getüncht werden muss. Gesagt, getan. Die Rahmen und die Reflektorhalter waren relativ schnell im heimischen Keller geschwärzt.

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Im Anschluss habe ich mich voller Tatendrang auf die Scheinwerfergläser gestürzt, natürlich nur im übertragenen Sinne, sonst hätte das böse Flecken gegeben 😉 Wie man auf dem Bild oben sieht, ist die Oberfläche von unzähligen kleinen Steinschlägen übersäht. Aber wie bekommt man das nur wieder hin?
Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Oberfläche soweit herunter zu schleifen, bis man alle Krater beseitigt hat, um anschließend alles mit Nassschleifpapier und Schleifpaste/-politur wieder glasklar zu bekommen. Nur fehlte es mir für den ersten Arbeitsgang schlicht und ergreifend an einem passenden Werkzeug, wie z.B. einem Rotationsschleifer.
Also habe ich mich mal nach einer Low-Budget-Variante umgehört. Die sieht vor, das Glas mit mehreren Schichten Klarlack zu versehen, um so die Unebenheiten quasi aufzufüllen und es dann, auch wieder mit Nassschleifpapier und Schleifpaste, wieder herunter zu schleifen. So hab ich es dann auch versucht, doch das Ergebnis war ernüchternd: Zwar erhält man dadurch eine spiegelglatte Oberfläche, nur sieht man die Steinschläge immer noch auf den ersten Blick. Das war er dann also, der berühmte “Satz mit X”. Bei kleinen Zusatzscheinwerfern bzw. bei nur wenigen kleinen Einschlägen mag das vielleicht so funktionieren, aber für meine Problempatienten hier leider nicht.
Aber Kopf hoch, weiter geht’s! Ich hab mir nun ein paar andere Streuscheiben besorgt. Wenn die gut aussehen, und die Zeit es erlaubt, werdet ihr als nächstes hoffentlich Bilder der fertigen Scheinwerfer zu sehen bekommen 😉

Dann waren da noch die Reflektoren, bei denen ich euch zu folgender Vorgehensweise raten möchte: Diese äußerst sensiblen Teile haben bei mir erst einmal ein schonendes Reinigungsbad in “destilliertem Spülwasser” erhalten. Und solltet ihr hier und da doch noch mal drüber wischen müssen, dann allerhöchstens mit einem Mikrofasertuch. Nehmt um Himmels Willen weder einen 08/15-Wischlappen, noch Leitungswasser, noch sonst irgendwelche anderen Reinigungsmittel! Es sei denn, ihr möchtet wissen, wie es unter der Chromschicht aussieht. Genau das ist mir nämlich beim ersten Mal passiert 🙁 Das Chrom ist hier im wahrsten Sinne des Wortes nur hauchdünn aufgebracht. Wenn die Teile sauber sind, lasst ihr sie einfach an der Luft trocknen. Durch das destillierte Wasser müsst ihr auch keine Wasserflecken befürchten.

Mittlerweile bin ich mit meinem Monatsrückblick beim letzten Juli-Wochenende angekommen. Diesmal hatte ich Glück und konnte mit meinem Wägelchen auf die Hebebühne. Und die Chance, etwas am Unterbau machen zu können, habe ich natürlich gleich genutzt.
Anfang Mai stand ich ja vor dem Problem, dass nach dem Einbau der HA-Bremsen die Räder blockierten. Der Grund waren, wie sich bald herausgestellt hat, die festgegammelten Exzenter zur Einstellung der Bremsbeläge. Nun hätte es zwar diverse DIY-Lösungen dafür gegeben, ich habe mich dann aber doch gleich für andere Ankerbleche mit noch funktionierenden Exzentern entschieden. Die waren zwar nicht gerade günstig, dafür aber bereits neu pulverbeschichtet. Also kam das ganze Bremsengedöns wieder ab, die Steckachsen raus, anschliessend die neuen Ankerbleche dran und auch alles andere wieder drauf. Und siehe da: Alles dreht sich.

Die nächste Sache, die ich schon ewig vor mir her geschoben habe: Das Deichselrohr und die Mittellagerbrücke mussten seit der Rückkehr von Dr. O. ohne irgendeinen Korrosionsschutz auskommen. Also musste das Teil für die Lackierung nochmal raus. Nur macht sich das im eingebauten Zustand sehr bescheiden, da die Hinterachse in der Luft hängt und somit natürlich ziemlich unter Spannung steht. Der Einbau dagegen war ähnlich  abenteuerlich, doch ich will aus Arbeitsschutzbedenken nicht weiter darauf eingehen 😉

Weniger problematisch war der Einbau des neuen verstellbaren Panhardstabes. Des was?! Ja, Autos mit starrer Hinterachse haben so ein eben genanntes Führungselement verbaut, erfunden vor über 120 Jahren von dem französischen Automobilpionier René Panhard. Und warum muss er verstellbar sein? Ganz einfach: Weil das Auto tiefergelegt ist, verändert sich auch die Achsgeometrie, genauer gesagt der (diagonale) Abstand zwischen Achse und Karosserie. Bliebe diese Diagonale gleich, würde die Achse nicht mehr mittig unter dem Fahrzeug stehen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, was denn dann vorher verbaut war. Nun, wie soll es bei meiner Ex-Bastelbude anders sein: ein umgeschweißter ovaler Panhardstab. Und oval sagt dem OPEL-Kenner: Der stammt aus einem Manta …

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Ich blieb auch gleich da hinten unter’m Blechkleid und hab mal angefangen, die ersten Bremsleitungen zu verlegen. Der Einfachheit halber habe ich mich eines fertig konfektionierten Satzes vom Herrn Börnemann bedient. Bis jetzt waren die Leitungen großzügig bemessen, d.h. man muss beim Biegen schon ziemlich kreativ sein, damit’s nachher nicht sch***e aussieht. Im gleichen Atemzug habe ich auch gleich den Differentialdeckel fest eingebaut und mit Hochtemperatur-Silikon eingedichtet.

Der Samstag(/-Feier)abend nahte, doch da war noch etwas, was auch noch von der Werkstatt an seinen Bestimmungsort wollte: Das in frischem Silbergrau erstahlte Lenkgetriebe mit neuen Gummimanschetten. Das musste unbedingt noch dran! Und nein, ich habe es nicht komplett zerlegt. Die einen sagen ja “Das muss da alles raus!”, die anderen wiederum lassen lieber die Finger davon. Und ich bin da eher einer von der defensiven Sorte und belasse es bei einer Portion neuem Fett auf die Zahnstangen … Man möge es mir bitte verzeihen! Neue Spurstangenköpfe wird es aber bei der nächsten Gelegenheit natürlich noch geben.

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So, das waren nun die letzten 4..5 Wochen mehr oder weniger zusammengefasst. Schön, dass ihr bis zum letzten Absatz durchgehalten habt. Bis neulich!

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